Von Ligurien nach Südtirol

Zita Calzetta (La Spezia, 1887 – 1970) heiratete 1921 Alfredo Righetti und führte gemeinsam mit ihm die Latteria Garibaldi auf dem gleichnamigen Platz in La Spezia. Nach dem Waffenstillstand vom 8. September 1943 floh ihr ältester Sohn Giorgio aus der Kaserne in Rom, wo er einen Offizierslehrgang der Luftwaffe absolvierte, und kehrte heimlich nach La Spezia zurück. Dort wurde er von der Partisanenbewegung „Giustizia e Libertà“ rekrutiert. Die Polizei versuchte, ihn zu fassen, und nachdem mehrere Versuche gescheitert waren, richtete sie ihr Augenmerk auf die Eltern. Zita und Alfredo wurden am 7. August 1944 in der Latteria / Meierei verhaftet.
Die Familie wurde zunächst in Villa Andreino inhaftiert, dem Sitz der Justizvollzugsanstalten / oppure: Justizvollzugsanstalt (Singular), die während der nazifaschistischen Besatzung als Militärgefängnis und Ort für Verhöre genutzt wurden. Sie blieben dort bis Ende September und wurden dann in das Gefängnis Marassi in Genua verlegt. Wenige Tage später wurden beide zusammen mit anderen Gefangenen ins Lager Bozen deportiert. Zita erhielt im Lager Bozen die Häftlingsnummer 4823, Alfredo die Nummer 4832. Während Zita in Bozen blieb, wurde Alfredo am 20. November 1944 zusammen mit 280 weiteren Personen in das Lager Mauthausen deportiert und später in das Außenlager Gusen II gebracht, wo er am 6. Januar 1945 starb.
Zita arbeitete in der Lagerwäscherei von Bozen und gehörte dem CLN des Lagers an. Sie blieb bis zur Befreiung des Lagers im April 1945, auf dem Entlassungsdokument ist der 30. April 1945 vermerkt (Dokument im Stadtarchiv Bozen).

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Bücher

Carla Giacomozzi , “Nella memoria delle cose”, 2009 - Archivquellen

Die Geschichte von Zita Calzetta Righetti wird in Carla Giacomozzis Buch „Nella memoria delle cose“ behandelt. Im Stadtarchiv Bozen befinden sich zwei wichtige Dokumente: Zum einen das Entlassungsdokument aus dem DuLag Bozen, zum anderen ein Dokument, das Zitas Zwischenstopp in Brescia im Mai 1945 verzeichnet. Dort hatte die bischöfliche Kurie ein Informationszentrum für die nach Hause zurückkehrenden Italiener*innen eingerichtet. Diese Personen waren aus Konzentrations- und Arbeitslagern im Reich befreit worden und überquerten den Brenner, um zu ihren Familien zurückzukehren. Die Zentren, die in Norditalien von der Pontificia Opera di Assistenza betrieben wurden, waren die einzigen Anlaufstellen für medizinische Hilfe, finanzielle Unterstützung und Nahrungsmittel für Tausende von Landsleuten, die nach Monaten oder Jahren der Abwesenheit – bedingt durch zivile Deportation, militärische Internierung oder Zwangsarbeit – nach Italien zurückkehrten.  Zita verließ Brescia am 6. Mai 1945. Es ist unklar, ob sie sechs Tage für den Fußweg von Bozen nach Brescia benötigt hat, oder ob sie sich einige Tage in Brescia aufgehalten hat. Dort wurde ihr Name im Informationszentrum registriert, und mit diesem Ausweis durfte sie ihre Reise in Richtung La Spezia fortsetzen.
Zita erhielt die Nachricht vom Tod ihres Mannes Alfredo erst im August 1946.
Carla Giacomozzi , “Nella memoria delle cose”, 2009 (S. 188-190) 

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