„Vielleicht möchtest du wissen, was ich tue und wie ich meine Tage verbringe, aber ich werde dir nichts von dem sagen, was man sieht, außer dass ich manchmal weder sehen noch hören noch fühlen noch irgendeine Regung in meiner Seele haben möchte, die nicht die der Hoffnung wäre.“ 1
Marietta Nulli, bekannt als Mariuccia (Iseo, 2. April 1922 – Chiari, 4. Dezember 2001), war eine junge Frau mit bemerkenswerten Talenten: Sie war Schützensportmeisterin und hatte eine große Leidenschaft für das Zeichnen und die Malerei. Im Jahr 1944 studierte sie Philosophie und widmete sich neben dem Studium intensiv dem Sport. Mariuccia war das dritte von vier Kindern und wie ihre gesamte Familie engagierte sie sich aktiv in der Widerstandsbewegung. Am 12. September 1944 wurden sie von der deutschen [lo si potrebbe anche togliere forse] SS verhaftet – zusammen mit ihrer Mutter Caterina Spini, ihrem Vater Lodovico, Frau Dina (der Witwe von Silvio Bonomelli, die Schutz im Haus der Nullis gefunden hatte), sowie ihrer Schwester Rosetta und deren vierjährigen Sohn Ennio. Nach Verhören in Verona wurden sie in das Durchgangslager Gries in Bozen deportiert. Die andere Schwester, Agape, war bereits im Gefängnis von Canton Mombello inhaftiert. Im Lager erhielt Mariuccia die Häftlingsnummer 4134 im Block L.
Während ihrer Gefangenschaft schrieb sie Briefe an ihren Verlobten Tonino, die von ihrer bemerkenswerten Widerstandskraft und inneren Stärke zeugen.
Nach vielen Monaten der Trennung konnte sich die Familie Nulli – abgesehen vom inzwischen verstorbenen Bruder – am 5. Mai 1945 in Iseo wieder zusammenfinden.
Nach dem Krieg nahm Mariuccia ihr unterbrochenes Studium wieder auf und schloss es erfolgreich ab. Sie erwarb zudem die Lehrbefähigung in Kunstgeschichte und unterrichtete dieses Fach am Gymnasium, später Literatur an Mittelschulen. Gleichzeitig setzte sie ihre Leidenschaft für die Malerei fort. Heute wird sie vor allem für ihr künstlerisches Werk in Erinnerung behalten, das ihr Leben und ihren Mut widerspiegelt.
1) Mariuccia Nulli – 2.10.1944: Brief aus dem Dulag Bz an Tonino Antonioli (ihren Verlobten, den sie später heiratete) in : “Iseo nella Resistenza. 1945-2005 Sessant’anni di libertá”, Brescia,2005 (Übersetzung von Lisa Settari)