„ein Mann, der aus dem Lager zurückkehrt, ist ein Mann, ja, etwas mehr: er ist ein Held. Eine Frau hingegen ist eine Laus. Ich war vorher niemand, und danach eine Laus.
Denn es ist klar: Eine Frau, die im Lager landet, ist selbst schuld.“ 1
Übersetzung aus dem Italienischen von Lisa Settari.
Ida Desandré (Aosta, 1922–2019) arbeitete als Textilarbeiterin in der Provinz Biella / in den Bielleser Alpen. 1944 wurde sie verhaftet und zunächst in den Kasernen von Aosta (Cesare Battisti) inhaftiert, dann in “den Neuen” Gefängnissen in Turin, mit einem Zwischenstopp in San Vittore in Mailand und später in Bozen. Danach wurde sie als politische Gefangene in die Konzentrationslager Ravensbrück und Bergen-Belsen deportiert. Nach ihrer Rückkehr nach Aosta trat sie dem Regionalkomitee des ANPI bei.
Sie erzählt, dass ihr Mann in die Berge ging und sich dort einige Zeit versteckte, bevor er beim Stahlwerk Cogne in Aosta Arbeit fand. In der Fabrik kam er in Kontakt mit Partisanen. „Als sie auf den stellvertretenden Polizeichef schossen, versteckte sich der Schütze in unserem Haus. Ich erinnere mich, dass er die Pistole in seinen Wollsocken versteckt hatte. Offenbar hatte ihn jemand gesehen und den Schwarzhemden verraten.“ ( Ida Desandré, Vita da Donne, a cura di Maria Pia Simonetti, Editori di Comunicazione Lupetti/Piero Manni, 1995)
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„Die letzte Station in Italien für uns war das Konzentrationslager in Bozen. Das Leben dort war nicht allzu schlimm: Wir waren in Italien, wer etwas Lira hatte, konnte ein wenig Brot kaufen, und man nahm uns unsere Sachen nicht weg. Aber wir Frauen mussten eine Art Mechanikeroverall tragen, mit einer Nummer auf dem Arm. Jeden Tag wurden wir in die Kasernen gebracht, wo wir verschiedene Arbeiten verrichteten. Meine Gruppe nähte Knöpfe an Militärzelte. Abends kehrten wir ins Lager zurück, wo wir zum Abendessen eine Schale Gerstensuppe bekamen. Duschen mussten wir draußen mit kaltem Wasser, und die Toiletten waren ebenfalls draußen, unter der Aufsicht von Wachposten. Nachts mussten wir den Eimer benutzen, den wir morgens abwechselnd zu reinigen hatten. Dies waren die ersten Demütigungen – nichts im Vergleich zu dem, was danach kommen sollte. Das Lager war in zwei Teile geteilt, einen für Männer und einen für Frauen. Ja, mein Mann und ich konnten gelegentlich durch das Netz miteinander kommunizieren, dann wurde er nach Deutschland geschickt. Sein Ziel war ein Arbeitslager in der Nähe von Leipzig. Das war im September 1944, und ich sah ihn bis zu meiner Rückkehr Ende 1945 nicht mehr.“ 2
1 und 2 ) Ida Desandré. Vita da Donne, Maria Pia Simonetti (Hrsg.), Editori di Comunicazione Lupetti/Piero Manni, 1995
Denn es ist klar: Eine Frau, die im Lager landet, ist selbst schuld.“ 1
Übersetzung aus dem Italienischen von Lisa Settari.
Ida Desandré (Aosta, 1922–2019) arbeitete als Textilarbeiterin in der Provinz Biella / in den Bielleser Alpen. 1944 wurde sie verhaftet und zunächst in den Kasernen von Aosta (Cesare Battisti) inhaftiert, dann in “den Neuen” Gefängnissen in Turin, mit einem Zwischenstopp in San Vittore in Mailand und später in Bozen. Danach wurde sie als politische Gefangene in die Konzentrationslager Ravensbrück und Bergen-Belsen deportiert. Nach ihrer Rückkehr nach Aosta trat sie dem Regionalkomitee des ANPI bei.
Sie erzählt, dass ihr Mann in die Berge ging und sich dort einige Zeit versteckte, bevor er beim Stahlwerk Cogne in Aosta Arbeit fand. In der Fabrik kam er in Kontakt mit Partisanen. „Als sie auf den stellvertretenden Polizeichef schossen, versteckte sich der Schütze in unserem Haus. Ich erinnere mich, dass er die Pistole in seinen Wollsocken versteckt hatte. Offenbar hatte ihn jemand gesehen und den Schwarzhemden verraten.“ ( Ida Desandré, Vita da Donne, a cura di Maria Pia Simonetti, Editori di Comunicazione Lupetti/Piero Manni, 1995)
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„Die letzte Station in Italien für uns war das Konzentrationslager in Bozen. Das Leben dort war nicht allzu schlimm: Wir waren in Italien, wer etwas Lira hatte, konnte ein wenig Brot kaufen, und man nahm uns unsere Sachen nicht weg. Aber wir Frauen mussten eine Art Mechanikeroverall tragen, mit einer Nummer auf dem Arm. Jeden Tag wurden wir in die Kasernen gebracht, wo wir verschiedene Arbeiten verrichteten. Meine Gruppe nähte Knöpfe an Militärzelte. Abends kehrten wir ins Lager zurück, wo wir zum Abendessen eine Schale Gerstensuppe bekamen. Duschen mussten wir draußen mit kaltem Wasser, und die Toiletten waren ebenfalls draußen, unter der Aufsicht von Wachposten. Nachts mussten wir den Eimer benutzen, den wir morgens abwechselnd zu reinigen hatten. Dies waren die ersten Demütigungen – nichts im Vergleich zu dem, was danach kommen sollte. Das Lager war in zwei Teile geteilt, einen für Männer und einen für Frauen. Ja, mein Mann und ich konnten gelegentlich durch das Netz miteinander kommunizieren, dann wurde er nach Deutschland geschickt. Sein Ziel war ein Arbeitslager in der Nähe von Leipzig. Das war im September 1944, und ich sah ihn bis zu meiner Rückkehr Ende 1945 nicht mehr.“ 2
1 und 2 ) Ida Desandré. Vita da Donne, Maria Pia Simonetti (Hrsg.), Editori di Comunicazione Lupetti/Piero Manni, 1995